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Mail Nummer 3

Hallihallo ...

daheim an euren Rechnern. Da wir Morgen ins Reich des Boesen fahren (so ein US-Praesident vor ein paar Jahren), dachten wir, es waere mal wieder Zeit fuer den Bericht. (BTW. Wer war oder ist eigentlich der Boese, dessen Reich wir da betreten, nur falls wir ihn treffen sollten ...)

Unser letzter Bericht endete ja mit der Erstuermung - besser "Erkriechunng" der Mauer, das iste eine ganze Zeit her und man sollte meinen, dass da ja eine ganze Menge passieren kann - kann, denn wir waren die meiste Zeit krank Aber, ganz soweit sind wir noch nicht mit dem Bericht, der Reiehe nach.

5. Tag: Ein Tag im Zoo (mehr oder weniger)

Am Tag nach der Mauer, bestand unser Tag in eine Zoo-Besuch und vor allem der Aktion "Fahrkartenkauf".

Peking ist ziemlich gross und entsprechendes gilt auch fuer die Bahnhoefe, es gibt da unter anderem eine ganze Menge Schalter (und im Gegensatz zu DB-Schaltern waren die meisten besetzt). Laut Reisefuehrer sollte an einem davon ein kleines, englisches Schildchen prangen, dass man da auch als Nichtchinese und auf Englisch Karten bekommen kann. Daher dauerte es eine Weile, bis wir die grosse Hinweistafel zum Bereich fuer 1.-Klasse Reisende und Auslaender entdeckt haben.

Der Schalter befindet sich in einem Nebenraum des Wartesaals fuer eben jene Reisenden, und bietet eine eher gedigene Athmosphaere, soweit das bei einem Schalterraum moeglich ist. Beim Wartesaal hat wohl jemand nach Klischees fuer Luxus gesucht, dicke, rote Ledersessel etc. - fast perfekt wenn der Geruch aus der geoeffneten Klo-Tuere (fuer Normalchinesen, im Luxus-Klo wurden Raeucherstaebchen abgebrannt) nicht gewesen ware.

Gluecklich im Besitz unsere Tickets, verliessen wir diesen Ort fuers erste, um uns Inges Hobby zuzuwenden: Tiere, genauer dem Zoo. Eine laenger U-Bahfahrt brachte uns ganz in die Naehe und nach einem Abstecher ueber ein nahes Internetcafe (nein, von dort haben wir nicht an alle geschrieben, aber die hatten da sogar RICHTIGEN BOHNENKAFFEE, echt selten in diesem Land der Teetrinker und entsprechend teuer), begaben wir uns also in den Zoo.

Wir hatten das Ticket mit Pandas gekauft, so fuehrte unser Weg also erstmal in deren Haus. Neben einer menge Panda-Souveniers gab es dort tatseachlich lebende Panda-Baeren. Naja, jedenfalls glauben wir, dass sie leben: Die meisten lagen ziemlich faul auf ihrer Baerenhaut herum und liessen sich nicht im geringsten von der laermenden Horde Japaner erschrecken - gibt einem schon zu denken wenn man das mal erlebt hat.

Das Aquarium war auch ganz nett aber viel zu teuer (fast fuenf Kaffee von den erwaehnten, und die waren ja schon teuer ...) was aber den deutlichen Vorteil hatte, dass man sich das ganze ziemlich in Ruhe ansehen kann.

Das wars dann auch schon fuer jenen letzten Tag in Peking.

6. Tag: Gen Norden

Nach dem Aufstehen und dem endgueltigen verlassen des Hotels (nein, auf das Fruehstueck haben wir bereits am Tag vorher verzichtet. Weil es nicht wirklich ein Verlust war, haben wir diese Tradition beibehalten) deponierten wir erstmal das Gepaeck am Bahnhof. Diesmal benutzten wir ein Taxi und sahen so das Pekinger Verkehrschaos aus der Sicht eines Taxifahrers. Ein echtes Erlebnis!

Da wir Auslaender sind, konnten wir gar die schicken Schliessfaecher in der schicken Wartehalle benutzen. Ich frage mich ja wo der ... die anderen Leute ihr Gepaeck ablegen duerfen. Anschliessend hingen wir noch ein wenig in Peking-Downtown herum und beobachteten die Leute.

Ach ja, wir haben auch noch etwas Geld gewechselt, allerdings nicht in der ersten Bank am Wegesrand. Die Leute mit der Pump-Gun neben dem Lieferwagen am Eingang haben uns etwas abgeschreckt. Ich glaube, die haetten es gar nicht gerne gesehen, wenn sich irgndetwas in ihre Richtung bewegt haette, schon gar keine Leute. Naja, vielleicht war's auch nur ein Geldtransport, aber wenn man die Leute mit der grossen Kanone nicht versteht, ist es meistens besser, ihnen aus dem Weg zu gehen. Jedenfalls ist das im Kino so...

An diesem Tag lernten wir dann noch einen weiteren Dozenten von jener Kunstschule kennen ...

So etwa zwei Stunden vor der Abfahrt des Zuges, fanden wir uns dann wieder in jener Wartehalle ein (die mit den roten Sesseln, ihr erinnert euch). Darueber, dass keine Unbefugter wagt hier zu warten, wachen einege Damen am Eingang, Eintritt nur mit Fahrkarte (oder zum Schalter halt) Zu unserem Glueck gab es alle Durchsagen und Anzeigen auch auf englisch, und nach eineinhalb Stunden Rumhaengen in den roten Ledersesseln war es dann soweit: Die Waerterinnen offneten das Vorhaengeschloss am Ausgang zum Bahngleis und wir gingen zum Zug.

Fuer chinesische Zuege scheint das gleiche zu gelten wie fuer Staedte und Bahnhoefe : gross (besser gesagt lang). Zu Wagen 6 war es eine ewige Strecke und offensichtlich hatten die meisten anderen Reisenden das ganze bereits im Spurt hinter sich gebracht. Zum Glueck sind die Plaetze nummeriert! Der Zug war ausgesprochne modern, Leuchtanzeigen ueber den Tueren (natuerlich nur auf chinesich), Klimaanlage (man konnte die Fenster nicht oeffnen und es war viel zu warm) und eine andauernde Berieselung mit Musik und anderer Unterhaltung (natuerlich nur auf chinesisch), halt mit all den Annehmlichkeiten, mit denen ein Zugreisender heute konfrontiert wird.

Nachdem wir unser Gepaeck endlich verstaut hatten (fuer Gepaeck war etwas zu wenig Platz vorhanden) und unsere Liegeplaetze erstiegen hatten (nicht ganz einfach, Florian fand alles einfach zu klein), setzte der Zug sich in Bewegung und wir bereiteten uns darauf vor, bis morgens um 7 dort liegen zu bleiben.

Im grossen ganzen waere die folgende Nacht sehr Ereignislos verlaufen, haetten wir nicht irgendetwas zu uns genommen, um was wir besser einen Bogen haetten machen sollen. Florian verschwand ploetzlich zu einem laengern Aufenthalt auf dem Klo (nicht der letzte in dieser Nacht) und bei Andreas grummelte der Magen auch schon aeusserst bedenklich. Nur Inge war von allen ziemlich unbeeindruckt und schlief friedlich vor sich hin.

6. Tag: Die Ankunft

Gegen halb fuenf versuchte die Schaffnerin uns klar zu machen, dass die naechste Station Harbin sei, und dass wir langsam ans Aussteigen denken sollten. Erst vermuteten wir ein Missverstaendnis, wie es haeufig vorkommt, wenn man nichts versteht, aber als auch diverse Kommunikationsversuche mit Mitreisenden die These bestaerkten, dass wir Aussteigen muessen, packten wir unsere Sachen zusammen.

Nachdem nun der Zug endlich im Bahnhof angehalten hatten, fanden wir uns nach einigen hektischen Minuten auf einem Bahnhofsvorplatz, in einer Stadt, von der wir nur vermuten konnten dass es sich um Harbin handelt, wieder.

Und es war saukalt.

Die Tatsache, dass wir vermutlich zwei Stunden hier wuerden verbringen muessen, taugte auch nicht gerade dazu die Stimmung zu heben, von den Taxifahreren und Kartenverkaeufern ganz zu schweigen. Gerne waeren wir mit dem Taxi irgendwo hin gefahren. Nur wohin? Stefans Adresse hatten wir natuerlich nicht dabei.

So schlugen wir im Schutze einer kleinen Mauer unser Lager auf, in der Hoffnung dort den Verkaeufern fuer die naechsten zwei Stunden zu entgehen. Nach einiger Zeit liessen sie dann wirklich von uns ab und akzeptierten uns als Teil des Bahnhofs - vermutlich hielten sie uns einfach fuer etwas seltsam.

Die Zeit verging wie im Flug. Genauer: Wie im Flug mit knapp unter Lichtgeschwindigkeit. Sie dehnte sich unedlich lange.

Nachdem nun einige Jahrtausende vergangen waren, rueckte der Zeiger der Uhr endlich auf in Richtung 7 und wir beschlossen den Bahnhof zu umstellen. Da wir nur zu dritt waren, gestaltete sich das etwas schwierig und wir beschraenkten uns auf den Ein- und auf den Ausgang (hierzulande durchaus verschiedene Dinge).

Und es wurde 7 Uhr.

- nichts

Und es wurde 7:15 Uhr.

- kein Stefan

Und es wurde halb acht.

So langsam wurde es Zeit fuer ein wenig PANIK. Waren wir wirklich in Harbin? Wo ist Stefan? Mag er uns nicht mehr?

Zum Glueck hatten wir die Telefonnummer seiner Arbeitsstaette dabei, wir besorgten uns also ertmal eine Telefonkarte und riefen dort an - nur ein Fax!? Ein wenig herrumrechnen mit den Zeitzonen brachte uns dann aber auf den Gedanken, dass man dort erst nach acht anrufen kann. Also weiter warten.

Beim zweiten Gespraech war dann die Sekretaerin am Apparat, die auch Englisch spricht. Sie gab zu verstehen, wir sollen eine halbe Stunde warten und dann nochmal Anrufen (jedenfalls war das unsere Interpretation). Also wieder Warten.

Als Inge gerade nach der Telefonkarte kramte um nochmal Anzurufen, lief ploetzlich ein westler ueber den Platz (das ist etwa so, wie wenn ein Marsianer in Freiburg auftauchen wuerde)

Stefan war da !

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Fuer heute mag das mal reichen (Inge will mal wieder ins Bett...)

Bis denn
Florian, Inge und Andreas

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