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Mail Nummer 5

Hallo,

da sind wir also wieder, diesmal aus Irkutsk, mitten in Sibirien. Tja was faellt einem dazu als erstes ein? Schnee? Kaelte? Alles zusammen! Momentan ist es hier winterlicher als in Freiburg im Januar - aber eins nach dem andern.

Harbin - Wladivostock

In der letzten Folge waren wir ja noch in Harbin, das Zugticket nach Wladivostock in der Hand und ohne jede Ahnung was uns erwarten wuerde. Nach dem was wir im Reisefuehrer und in irgendwelchen Berichten im Netz ueber diese Strecke gehhoert hatten, erwarteten wir eigentlich einen randvollen Zug.

Die Wirklichkeit war weit angenehmer denn wir hatten einen Wagen - und sogar einen Transssibwagen! - fuer uns allein, denn wie sich herausstellte gab es im chinesischen Zug nur zwei Kurswagen in Richtung Russland, der Rest vom Zug blieb wohl in China zurueck. Einen richtigen Zug von Harbin nach Wladivostok gibt es eigentlich nicht - wir wurden scheinbar einfach hin und wieder an igendwelche Zuege angekoppelt, die in die richtige Richtung fuhren - und zwischendurch hatten wir viel Zeit, auf irgendwelchen Abstellgleisen rumzustehen. Vermutlich liegt das daran, dass kein normaler Mensch fuer die 200km von der Grenze nach Wladivostock 24 Stunden im Zug sitzen mag.

In Wladivostock

Irgendwann, nach zwei Tagen im Zug, erreichten wir dann also Wladivostock, morgens um 7 Uhr, also zu einer Zeit, zu der garantiert jede Bank geschlossen hat. Und ohne Rubel kriegt man natuerlich nicht mal 'nen Kaffee... Wir hingen also erstmal im nett renovierten Bahnhof herum, bis wir irgendwann mal Geld wechseln konnten.

Anschliessend machten sich Andreas und Florian auf, um ein Hotel zu finden. Hatten wir eigentlich erwaehnt, dass in China um den 3. Oktober herum Feiertag ist und fuer viele Chinesen ein Anlass um wegzufahren? Nun, Andreas und Florian wurden daran erinnert als sie zum ersten der moeglichen (besser der billigeren) Hotels kamen: Reisebusweise Chinesen! Ein Schild an der Rezeption stellte direkt klar, dass es keine freien Zimmer geben wuerde.

Bei den anderen Hotels sah die Situation nicht besser aus, nur in einem waren noch Zimmer fuer 60$ pro Nase und Nacht zu haben. Da wir dann doch nicht sofort weiterfaheren wollten, haben wir dieses Hotel dann genommen. Dafuer hatte dann auch jeder sein eigenes Zimmer mit Blick zum Meer, Fernseher (mit der russischen Ausgabe von MTV), Kuehlschrank, Balkon und Bad. Nun beim Bad muss man ein wenig einschraenken, es gab naehmlich kein warmes Wasser, zum Duschen musste man in die Sauna gehen, andererseits gab es keinen Schimmel an den Badezimmerwaenden und die Betten waren eindeutig fuer zwei Personen ausgeleg (was Inge dazu animierte, ausgiebig nach huebschen kleinen Matrosen Ausschau zu halten)...

Irgenwann am Nachmittag des ersten Tages erstanden wir dann auch noch unsere Tickets nach Irkutsk. Dazu malte Inge einen Zettel, auf dem offensichtlich alle Informationen (z.B drei Strichmaenchen ,,,) enthalten waren, jedenfalls bekamen wir tatsaechlich Fahrkarten, 3 Stueck mit dem richtigen Zielort und dem richtigen Datum! Ausserdem noch einen raetselhaften zweiten Zettel, der irgendwie wichtig aussah. Spater erfuhren wir, dass das eine Reiseversicherung war. Da hatte wohl jemand Angst um uns...

Am zweiten Tag in Wladivostock lernten wir einige russische Studenten kennen. Nachdem wir am Hafen ein Bier mit ihnen getrunken hatten, luden sie uns in ihre Bude im Studentwohnheim ein. Irgendwo gabs da mal eine Warnung zu lesen, man solle sich in so einem Fall auf mindestens eine halbe Flasche Wodka einstellen - wir haben etwa eine dreiviertel Flasche pro Nase konsumiert, interessanterweise lagen wir danach nicht unterm Tisch.

Interessant ist auch, wie das hier mit Taxis funktioniert. Im Prinzip ist jedes Auto, dass man anhalten kann, ein Taxi. Man fragt halt den Fahrer ob er dorthin faehrt, wo man hin will (wenn er nicht dorthin faehrt, fragt man wieviel er haben moechte damit er dorthin faehrt) Auf diese Art sind wir auch ins Hotel gekommen, morgens um 6 ... Nagut, einer von den Russen ist mitgefahren, alleine haetten wir das mit unseren doch etwas mangelhaften Russischkenntnissen vermutlich nicht hingekriegt (inzwischen koennen wir immerhin die Zahlen bis drei - mit Ausnahme von eins und zwei. Wir kaufen daher immer fuer alle das gleiche).

Wladivostock - Irkutsk

Unser Zug ging um 3 am Nachmittag (wobei bei den Abfahrtzeiten immer ein wenig Unsicherheit besteht, angegeben werden die Zeitein immer in Moskauer Zeit, man muss also wissen in welcher Zeitzone man sich gerade befindet, um festzustellen wann man am Bahnhof sein muss) und es gelang uns puenktlich und mit erstaunlich geringem Kater am Bahnhof zu erscheinen.

Auf der Fahrt nach Irkutsk hatten wir (zumindest die ersten zwei Naechte) ein Abteil fuer uns allein. Das Zugfahren ist alles in allem recht entspannend, Hauptbeschaeftigungen sind schlafen,essen, lesen und aus dem Fenster gucken - kommt uns also recht entgegen. Die Landschaft scheint im wesentlichen aus Gras, Birken und Schlamm zu bestehen, gelegentlich gibts mal einen kleinen Fluss, ein Dorf oder eine Kiefer... Nichts wirklich Aufregendes also. Doerfer mit mehr als zehn Haeuser gelten als gross genug fuer einen Halt.

Eigentlich haette die Fahrt ruhig noch ein paar Tage laenger dauern koennen - gegen Ende hatten wir schon fast Angst vor dem taeglichen Stress, der uns in Irkutsk erwarten wuerde: Besichtigen, Essen kaufen und staendig irgendwo rumlaufen und mit schwierigen Leuten kommunizieren... Im Zug hatte sich rumgesprochen, dass man sich mit uns nicht unterhalten kann, und wir wurden nur hin und wieder mal zum Essen, Trinken oder Dinge (z.B. russische Druckerzeugnisse) kaufen animiert. Der Mann mit der Schokolade kam nateurlich viel zu selten...

Aber irgendwann mussten wir dann aus dem ueberheizten Zug raus in die kalte sibirische Welt. War ziemlich schlimm, aber die Hoffnung auf eine warme Dusche und einen Computer hielt uns aufrecht. Doch davon spaeter mehr...

Viele Gruesse aus der grossen Gefriertruhe
Inge, Andreas und Florian

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